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Krafttraining und kognitive Funktionen: Erkenntnisse aus der Netzwerk-Meta-Analyse 2025

Eine Netzwerk-Meta-Analyse von 58 RCTs mit 4349 Teilnehmern hat Krafttraining beim Einfluss auf kognitive Funktionen auf den ersten Platz gesetzt — vor Ausdauertraining. Der Mechanismus unterscheidet sich vom Ausdauersport: IGF-1 spielt die Hauptrolle, nicht BDNF.

7 Min. LesezeitNeurowissenschaften24.07.2026
Kurze Antwort

Die Netzwerk-Meta-Analyse von 58 RCTs (Han et al., 2025) zeigte: Krafttraining belegt den ersten Platz beim allgemeinen kognitiven Effekt (SMD 0,55; SUCRA 83,3 %), vor Ausdauertraining. Der Mechanismus verläuft überwiegend über IGF-1, nicht über BDNF. Arbeits- und räumliches Gedächtnis verbessern sich signifikant; die Daten stammen von älteren Erwachsenen.

Warum ist der Zusammenhang zwischen Krafttraining und Gehirn nicht selbstverständlich?

Wenn es um den Nutzen von Sport für das Gehirn geht, denkt man zuerst an Ausdauerbelastung: Laufen, Radfahren, Schwimmen. Genau im Kontext von Ausdauersport wurden erstmals ein Anstieg des BDNF (neurotropher Faktor des Gehirns) und des Hippokampusvolumens beschrieben. Krafttraining wurde traditionell als Instrument zur Entwicklung von Muskeln und Kraft betrachtet — nicht als Neuroprotektionsmittel.

Diese Trennlinie begann sich im letzten Jahrzehnt zu verwischen, als sich randomisierte Studien ansammelten. Bis 2025 waren es genug für eine vollwertige Netzwerk-Meta-Analyse — eine Methode, die mehrere Interventionen gleichzeitig vergleicht, auch ohne direkte Vergleichsstudien.

Netzwerk-Meta-Analyse 2025: Krafttraining auf dem ersten Platz

Han, Zhang und Koautoren (Frontiers in Aging Neuroscience, 2025) führten eine Netzwerk-Meta-Analyse von 58 RCTs mit 4349 gesunden älteren Erwachsenen durch und verglichen sechs Trainingsarten nach ihrem Einfluss auf kognitive Funktionen. Dies ist die bislang umfangreichste vergleichende Untersuchung auf diesem Gebiet.

Ranking der Interventionen nach SUCRA (Wahrscheinlichkeit, den ersten Platz zu belegen) für die allgemeine Kognition:

  • Krafttraining: SMD = 0,55 (95 % KI: 0,21–0,89); SUCRA = 83,3 % — erster Platz
  • Ausdauertraining: SMD = 0,49; SUCRA = 68,5 % — zweiter Platz
  • Krafttraining belegte auch den ersten Platz bei der Hemminhibition (inhibitory control): SUCRA = 82,1 %
  • Ausdauertraining übertraf Krafttraining beim Gedächtnis: SMD = 0,42 vs. 0,35

Alle Vergleiche basierten auf 95 %-Konfidenzintervallen. Ein SMD von 0,55 für die Kognition ist ein Effekt mittlerer Stärke, vergleichbar mit dem, was bei pharmakologischen Interventionen bei leichter kognitiver Beeinträchtigung erwartet wird.

Die Netzwerk-Meta-Analyse von 58 RCTs stellte Krafttraining beim kognitiven Effekt auf den ersten Platz — über Ausdauertraining. Das bedeutet keine Abkehr vom Ausdauersport: Für das Gedächtnis bleibt Laufen wirksamer.

Welche konkreten Funktionen verbessern sich durch Krafttraining?

Wu und Huang (Frontiers in Psychiatry, 2025) führten einen separaten systematischen Review und eine Meta-Analyse durch, die sich ausschließlich auf Krafttraining bei älteren Menschen konzentrierte (17 RCTs, 739 Teilnehmer). Dies erlaubt eine Detaillierung, welche kognitiven Domänen auf die Belastung ansprechen:

  • Allgemeine kognitive Funktionen: SMD = 0,40 (p<0,05)
  • Arbeitsgedächtnis: SMD = 0,44 (p<0,001)
  • Verbales Lernen und Gedächtnis: MD = 3,01 (p<0,001)
  • Räumliches Gedächtnis: SMD = 0,63 (p=0,0009) — größter Effekt
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen: statistisch nicht signifikant

Diese Daten sind wichtig für das Verständnis der Einschränkungen: Krafttraining verbessert am überzeugendsten das Gedächtnis (Arbeits- und räumliches Gedächtnis), während der Einfluss auf Verarbeitungsgeschwindigkeit und allgemeine exekutive Funktionen weniger ausgeprägt ist.

Mechanismus: IGF-1, nicht BDNF

Genau hier unterscheidet sich Krafttraining grundlegend vom Ausdauertraining. Ausdauersport wirkt über BDNF — ein Neurotrophin, das die Neurogenese im Hippokampus stimuliert. Dieser Mechanismus ist für Laufen und Ausdauerbelastungen gut dokumentiert.

Rodriguez-Gutierrez und Koautoren (Aging and Disease, 2023) analysierten 30 RCTs (1247 Teilnehmer im Alter von 45–92 Jahren) hinsichtlich neuroprotektiver Biomarker nach Krafttraining:

  • IGF-1: SMD = 0,48 (95 % KI: 0,27–0,69) — statistisch signifikanter Anstieg
  • Bei einer Häufigkeit von 3 Mal pro Woche stärkerer Effekt: SMD = 0,55 (95 % KI: 0,31–0,79)
  • BDNF: SMD = 0,33 (95 % KI: -0,29 bis 0,94) — statistisch nicht signifikant

IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1) ist ein systemischer Faktor, der bei Muskelkontraktion gebildet wird. Er überquert die Blut-Hirn-Schranke und aktiviert intrazelluläre Wege der Neuroprotektion, Neurogenese und synaptischen Plastizität. Dies ist ein grundlegend anderer Weg im Vergleich zum BDNF-vermittelten Effekt des Laufens.

Zerebrale Durchblutung: ein zusätzlicher Mechanismus

Allison und Al-Khazraji (American Journal of Physiology — Heart and Circulatory Physiology, 2024) fassen die Daten über den Einfluss chronischen Krafttrainings auf die zerebrale Hämodynamik bei älteren Menschen zusammen. Mit dem Alter nimmt der Gehirnblutfluss ab; diese Abnahme geht neurodegenerativen Veränderungen voraus. Die Autoren zeigten, dass regelmäßiges Krafttraining mit einer verbesserten zerebralen Perfusion und Gehirnstruktur assoziiert ist. Entgegen Bedenken über akute Druckspitzen beim Heben schwerer Gewichte wurden bei älteren Personen keine langfristigen negativen vaskulären Effekte festgestellt.

Was das in der Praxis bedeutet
  • Krafttraining 2–3 Mal pro Woche ist eine evidenzbasierte Intervention zur Erhaltung und Verbesserung kognitiver Funktionen, insbesondere des Arbeits- und räumlichen Gedächtnisses.
  • Ausdauertraining bleibt wichtig: Es übertrifft Krafttraining beim Einfluss auf das deklarative Gedächtnis. Ein optimales Programm umfasst beide Trainingsarten.
  • Der Mechanismus des kognitiven Effekts von Krafttraining verläuft überwiegend über IGF-1, nicht über BDNF. Das bedeutet, dass beide Trainingsarten unterschiedliche neurobiologische Wege nutzen und sich gegenseitig ergänzen.
  • Die Daten stammen überwiegend von älteren Erwachsenen (Durchschnittsalter 58–70 Jahre). Die Übertragbarkeit auf jüngere Altersgruppen ist eingeschränkt, obwohl die Mechanismen biologisch universell sind.
  • Die Programmdauer in den Studien betrug 13–26 Wochen; kurzfristige (unter 12 Wochen) Effekte auf die Kognition sind weniger ausgeprägt.
  • Progressive Überbelastung (schrittweise Steigerung des Widerstands) ist der entscheidende Parameter eines qualitativ hochwertigen Kraftprogramms. Studien mit progressiver Überbelastung zeigen konsistentere Ergebnisse.

Häufige Fragen

Was ist besser für das Gehirn — Kraft- oder Ausdauertraining?
Die Netzwerk-Meta-Analyse Han et al. (Frontiers in Aging Neuroscience, 2025), die 58 RCTs mit 4349 Teilnehmern umfasste, zeigte: Krafttraining belegte den ersten Platz beim allgemeinen kognitiven Effekt (SMD 0,55; SUCRA 83,3 %), vor Ausdauertraining (SMD 0,49; SUCRA 68,5 %). Allerdings übertrifft Ausdauertraining Krafttraining bei der Verbesserung des Gedächtnisses. Die optimale Variante ist eine Kombination beider Arten.
Warum verbessert Krafttraining kognitive Funktionen?
Der zentrale Mechanismus ist die Erhöhung des insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1). Die Meta-Analyse Rodriguez-Gutierrez et al. (Aging and Disease, 2023), die 30 RCTs mit 1247 Teilnehmern umfasste, zeigte einen signifikanten Anstieg von IGF-1 nach Krafttraining (SMD 0,48). BDNF zeigte bei Krafttraining keinen konsistenten Effekt, anders als beim Ausdauersport. Ein zusätzlicher Mechanismus ist die Verbesserung der Hirndurchblutung.
Welche konkreten kognitiven Funktionen verbessert Krafttraining?
Die Meta-Analyse Wu und Huang (Frontiers in Psychiatry, 2025) über 17 RCTs mit 739 Teilnehmern zeigte: Das Arbeitsgedächtnis verbesserte sich (SMD 0,44; p<0,001), das räumliche Gedächtnis am stärksten (SMD 0,63), verbales Lernen und Gedächtnis signifikant (MD 3,01). Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen zeigten keine signifikante Verbesserung.
Wie oft sollte man mit Gewichten trainieren, um einen kognitiven Effekt zu erzielen?
Laut Rodriguez-Gutierrez et al. (2023) wurde der größte IGF-1-Anstieg bei einer Häufigkeit von 3 Mal pro Woche festgestellt (SMD 0,55). Die optimale Programmdauer beträgt laut Meta-Analysen 13–26 Wochen. Die konkreten Belastungsparameter variierten zwischen den Studien, was präzise Protokollempfehlungen erschwert.

Quellen

  1. Han H, Zhang J, Zhang F, Li F, Wu Z. «Optimal exercise interventions for enhancing cognitive function in older adults: a network meta-analysis». Frontiers in Aging Neuroscience, 2025. PMID: 40717897. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12289702/
  2. Wu J, Huang C. «A systematic review and meta-analysis of the effects of resistance exercise on cognitive function in older adults». Frontiers in Psychiatry, 2025. PMID: 41503279. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12772445/
  3. Rodriguez-Gutierrez E, Torres-Costoso A, Pascual-Morena C, et al. «Effects of Resistance Exercise on Neuroprotective Factors in Middle and Late Life: A Systematic Review and Meta-Analysis». Aging and Disease, 2023. PMID: 37163437. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10389831/
  4. Allison EY, Al-Khazraji BK. «Cerebrovascular adaptations to habitual resistance exercise with aging». American Journal of Physiology — Heart and Circulatory Physiology, 2024. PMID: 38214906. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38214906/
Dieses Material dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine medizinische Empfehlung dar.

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