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Sitz-Steh-Test: Wie die Fähigkeit, ohne Hände aufzustehen, das Sterberisiko vorhersagt

Zwei Kohortenstudien von Araújo et al. (European Journal of Preventive Cardiology, 2012 und 2025) zeigten: Jeder verlorene Punkt im SRT erhöht das Risiko, an allen Ursachen zu sterben, um 21 %. Bei Personen mit 0 Punkten betrug die Sterblichkeit über 12 Jahre 49,5 %, beim Maximum 3,7 %.

Lesedauer 6 minLanglebigkeit25.08.2026
Kurze Antwort

Laut Araújo et al. (EJPC, 2025) erhöhte in einer Kohorte von 4282 Erwachsenen über 12,3 Jahre jeder verlorene Punkt im Sitz-Steh-Test das Risiko, an allen Ursachen zu sterben, um 21 %. Sterblichkeit bei 0 Punkten — 49,5 %, beim Maximum — 3,7 %. Die Daten sind beobachtend: Der Test ist ein Marker, kein Therapieziel.

Was ist der SRT und wie wird er durchgeführt?

Der Sitz-Steh-Test (Sitting-Rising Test, SRT) wurde vom brasilianischen Kardiologen Claudio Gil Araújo entwickelt. Aus dem Stand setzt sich der Teilnehmer in der Regel im Schneidersitz auf den Boden und steht anschliessend auf — ohne sich auf Hände, Knie, Unterarme oder Fussseitenteile zu stützen. Jeder verwendete zusätzliche Stützpunkt zieht 1 Punkt ab; jeder Gleichgewichtsverlust zieht 0,5 Punkte ab.

Das Maximalergebnis beträgt 10 Punkte: 5 für das Hinsetzen, 5 für das Aufstehen. Der Test dauert weniger als eine Minute und erfordert weder Ausrüstung noch einen Trainer oder einen speziellen Raum. Genau diese Kombination — minimaler Messaufwand und hoher prognostischer Wert — hat den SRT zum Gegenstand klinischen Interesses gemacht.

Was zeigte die erste Studie von Araújo (2012)?

Im Jahr 2012 veröffentlichten Araújo und Kollegen im European Journal of Preventive Cardiology die Ergebnisse einer Kohortenstudie mit 2002 Erwachsenen im Alter von 51–80 Jahren. Der mittlere Beobachtungszeitraum betrug 6,3 Jahre; in dieser Zeit wurden 159 Todesfälle (7,9 % der Stichprobe) erfasst.

Zentrales Ergebnis: Jede zusätzliche Verringerung des SRT-Gesamtscores um 1 Einheit war mit einem um 21 % erhöhten Risiko, an allen Ursachen zu sterben, verbunden — nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index. Teilnehmer mit einem Score unter 8 wiesen über 6 Jahre eine 2- bis 5-fach höhere Sterblichkeit auf als diejenigen mit einem Score von 8 oder mehr.

Es handelt sich um Beobachtungsdaten aus einer einzigen Kohorte, vorwiegend einer körperlich aktiven brasilianischen Bevölkerung. Die Verallgemeinerbarkeit auf andere Gruppen ist begrenzt.

2002 Personen, 6,3 Jahre, 159 Todesfälle: minus 1 Punkt von 10 — plus 21 % Risiko, an allen Ursachen zu sterben. Der SRT-Score erwies sich als signifikanter Prädiktor selbst nach Adjustierung für Alter und BMI.

Was hat die Studie von 2025 hinzugefügt?

Im Jahr 2025 veröffentlichte dieselbe Gruppe im European Journal of Preventive Cardiology eine erweiterte Analyse. Die Stichprobe wuchs auf 4282 Teilnehmer (Alter 46–75 Jahre, 68 % Männer); der Beobachtungsmedian betrug 12,3 Jahre — doppelt so lang wie in der vorherigen Arbeit. Erstmals wurde die Sterblichkeit nach Ursachen aufgeschlüsselt: natürlicher und kardiovaskulärer Tod.

Sterblichkeit nach Punktgruppen:

  • Maximaler Score (10): Sterblichkeit 3,7 % über den gesamten Beobachtungszeitraum.
  • Mittlerer Score (8): Sterblichkeit 11,1 %.
  • Minimaler Score (0–4): Sterblichkeit 42,1 %.

Vergleich der Extremgruppen (0 Punkte vs. 5 Punkte beim Aufstehen): Bei denen, die ohne Stütze nicht aufstehen konnten, betrug die Sterblichkeit 49,5 % gegenüber 4,4 % bei denen mit dem Höchstpunktzahl beim Aufstehen — ein Unterschied von etwa dem 11-Fachen.

Adjustierte Hazard Ratios für die schlechteste Gruppe im Vergleich zur besten: Risiko des natürlichen Todes — HR 3,84 (95 % KI 2,25–6,97); Risiko des kardiovaskulären Todes — HR 6,05 (95 % KI 2,29–20,94). Die Assoziation blieb nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, BMI und klinische Variablen bestehen.

Was misst dieser Test genau?

Der SRT beansprucht gleichzeitig vier physiologische Komponenten, deren Verschlechterung jeweils unabhängig mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert ist:

Muskelkraft der unteren Extremitäten und des Rumpfes

Das Aufstehen vom Boden erfordert ausreichende Kraft der Hüftstrecker, des Quadrizeps und der Rumpfmuskulatur. Sarkopenie — der fortschreitende Verlust von Muskelmasse und -kraft — verdoppelt laut systematischen Übersichtsarbeiten das Sterberisiko und schränkt die Fähigkeit, den Test ohne zusätzliche Stützpunkte zu absolvieren, direkt ein.

Flexibilität und Gelenkbeweglichkeit

Das Hinsetzen im Schneidersitz erfordert eine Aussenrotation der Hüften, eine Dorsalflexion der Sprunggelenke und Flexibilität der Lendenwirbelsäule. Eine eingeschränkte Bewegungsreichweite in diesen Bereichen zwingt dazu, eine Hand oder ein Knie als Stützpunkt zu nutzen — und kostet Punkte.

Gleichgewicht und Propriozeption

Der Wechsel zwischen Positionen erfordert dynamische Gleichgewichtskontrolle. Eine verminderte propriozeptive Sensibilität — eine typische Folge eines sitzenden Lebensstils und bestimmter chronischer Erkrankungen — macht sich im Testergebnis früher bemerkbar, als sie im Alltag auffällt.

Körpergewichtskontrolle

Übergewicht erschwert das Hinsetzen und Aufstehen mechanisch und senkt das Ergebnis. Dabei blieb die Assoziation des SRT mit der Sterblichkeit im Jahr 2025 nach Adjustierung für den BMI bestehen, was darauf hinweist: Die funktionelle Komponente des Tests trägt prognostische Information unabhängig vom Gewicht.

Was das in der Praxis bedeutet
  • Führen Sie den SRT selbst durch: Stehen Sie auf, setzen Sie sich im Schneidersitz auf den Boden und stehen Sie auf, ohne den Boden mit Händen oder Knien zu berühren. Punkte: 5 für das Hinsetzen, 5 für das Aufstehen, minus 1 pro Stützpunkt.
  • Der Test ist ein Marker des Funktionszustands, kein eigenständiges Trainingsziel. Es gilt, an den Komponenten zu arbeiten: Muskelkraft (Krafttraining), Flexibilität (Mobilitätsarbeit) und Gleichgewicht.
  • Besonders wichtig ist die Kraft der unteren Extremitäten: Bein- und Gesässübungen (Kniebeuge, Kreuzheben) verbessern die Fähigkeit, vom Boden aufzustehen, direkt.
  • Die Daten sind beobachtend und stammen überwiegend aus einer körperlich aktiven brasilianischen und portugiesischen Bevölkerung. Der SRT ist kein standardisiertes klinisches Instrument zur Sterblichkeitsprognose, das in der Routinepraxis eingesetzt wird.
  • Eine Abnahme des SRT-Scores im Laufe der Zeit ist ein Signal, das Trainingsprotokoll zu überprüfen und die körperliche Funktion zu bewerten — kein Anlass für medizinische Schlussfolgerungen ohne ärztliche Beratung.

Häufige Fragen

Was ist der Sitz-Steh-Test (SRT) und wie hängt er mit der Sterblichkeit zusammen?
Der SRT bewertet die Fähigkeit, sich ohne Zuhilfenahme von Händen oder Knien auf den Boden zu setzen und wieder aufzustehen. Laut Araújo et al. (EJPC, 2012) erhöhte in einer Kohorte von 2002 Erwachsenen im Alter von 51–80 Jahren jeder zusätzlich verlorene Punkt von 10 das Risiko, an allen Ursachen zu sterben, um 21 %. Es handelt sich um Beobachtungsdaten: Der SRT ist ein Marker des Funktionszustands, nicht eine direkte Todesursache.
Wie wird der Sitz-Steh-Test durchgeführt?
Aus dem Stand setzt man sich im Schneidersitz auf den Boden und steht dann auf, ohne Hände, Knie, Unterarme oder Fussseitenteile zu benutzen. Für jeden verwendeten Stützpunkt wird 1 Punkt abgezogen, für jeden Gleichgewichtsverlust 0,5 Punkte. Maximum — 10 Punkte. Der Test dauert weniger als eine Minute und erfordert keine Ausrüstung.
Was bedeutet eine niedrige Punktzahl im SRT?
Laut Araújo et al. (EJPC, 2025) betrug bei Personen mit 0 Punkten die Sterblichkeit über 12,3 Jahre 49,5 %, beim Maximum — 4,4 %. Risiko des natürlichen Todes in der Minimalgruppe — HR 3,84 (95 % KI 2,25–6,97), kardiovaskulärer Tod — HR 6,05 (95 % KI 2,29–20,94) im Vergleich zur Maximalgruppe.
Was sollte man trainieren, um das Ergebnis im SRT zu verbessern?
Der Test prüft vier Komponenten: Muskelkraft (Beine und Rumpf), Flexibilität (Hüfte, Unterschenkel, Lendenwirbelsäule), Gleichgewicht und Körpergewichtskontrolle. Eine Verbesserung erfordert Krafttraining (Kniebeuge, Kreuzheben), Arbeit an der Beweglichkeit von Hüfte und Sprunggelenk sowie das Üben von Übergängen aus dem Liegen/Sitzen in den Stand.

Quellen

  1. Araújo CGS, Brito-Sousa S, Myers J, Laukkanen JA, Ramos PS, Ricardo DR. «Sitting–rising test scores predict natural and cardiovascular causes of deaths in middle-aged and older men and women». European Journal of Preventive Cardiology. 2025. DOI: 10.1093/eurjpc/zwaf325. academic.oup.com/eurjpc/advance-article/doi/10.1093/eurjpc/zwaf325
  2. Araújo CGS, de Souza e Silva CG, Laukkanen JA, et al. «Ability to sit and rise from the floor as a predictor of all-cause mortality». European Journal of Preventive Cardiology. 2012. PMID: 23242910. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23242910/
Dieses Material dient ausschliesslich Bildungszwecken und stellt keine medizinische Empfehlung dar.

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