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Zone 2 und Mitochondrien: Was 353 Studien über Training mit niedriger Intensität sagen

Training in „Zone 2" wird aktiv als optimaler Weg zum Aufbau von Mitochondrien und zur Entwicklung der aeroben Basis propagiert. Eine Meta-Regression von 353 Studien und ein separater Review in Sports Medicine (2025) geben eine nüchternere Antwort: Alle Intensitäten wirken vergleichbar, und hochintensive Formate sind pro Zeiteinheit 2–4-mal effizienter.

Lesezeit 7 Min.Training23.06.2026
Kurze Antwort

Eine Meta-Regression von 353 Studien (5.973 Teilnehmer, Sports Medicine, 2025) zeigte: Training mit niedriger, mittlerer und hoher Intensität steigert den Mitochondriengehalt in den Muskeln um 23–27% ohne statistisch signifikante Unterschiede. Zone 2 ist nicht optimal — pro Trainingszeiteinheit ist HIIT etwa 3,9-mal effizienter. Den größten Effekt erzielen hohe Trainingshäufigkeit und ein anfänglich niedriges Fitnessniveau.

Die Vorstellung, dass gerade niedrigintensives Cardio der „Schlüssel zu den Mitochondrien" sei, hat sich in der Fitnesskultur fest verankert. Popularisierer nennen Zone 2 den Goldstandard des aeroben Trainings. Was aber sagen randomisierte Studien und Meta-Analysen, wenn man sie zusammenfasst?

Was ist Zone 2 und wie wird sie definiert?

Zone 2 ist ein Intensitätsbereich unterhalb der ersten Laktatschwelle (LT1). Physiologisch ist das ein Regime, bei dem Laktat langsamer gebildet als oxidiert wird: Die Belastung ist stabil, ein Gespräch ist möglich, das Gefühl ist „komfortabel-unangenehm". Formal wird sie durch Laktattests bestimmt (≈2 mmol/l Blut), obwohl sie in der Praxis oft ~65–75% der maximalen HF gleichgesetzt wird.

Letzteres ist eine Quelle erheblicher interindividueller Variabilität. Eine Studie aus dem Jahr 2025 (PubMed 40225831) zeigte, dass Standardwerte nach Prozent der maximalen HF bei verschiedenen Menschen unterschiedliche metabolische Zustände erzeugen: Für eine genaue Zone 2 ist physiologisches Testen erforderlich, keine universelle Formel.

Wie Training jeder Intensität Mitochondrien aufbaut

Der systematische Review und die Meta-Regression von Mølmen, Almquist und Skattebo (Sports Medicine, 2025) umfasste 353 Studien, 506 Trainingsgruppen und 5.973 Teilnehmer. Die Autoren unterteilten die Interventionen in drei Typen: kontinuierliches Cardio mit niedriger/mittlerer Intensität (ET), hochintensives Intervalltraining (HIIT) und Sprint-Intervalle (SIT).

Ergebnis beim Anstieg des Mitochondriengehalts: ET +23 ± 5%, HIT +27 ± 5%, SIT +27 ± 7%. Paarweise Vergleiche ergaben keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Formaten (p > 0,138). Alle drei Modalitäten aktivieren die mitochondriale Biogenese gleichermaßen — der Unterschied zwischen ihnen ist statistisch nicht signifikant.

Alle drei Formate liefern 23–27% Mitochondrienzuwachs. Der Unterschied zwischen ihnen ist statistisch nicht signifikant. Zone 2 gewinnt das Rennen nicht, das ihr zugeschrieben wird.

Zone 2 gegen HIIT: Wer ist pro Zeiteinheit effizienter?

Wenn die Formate beim absoluten Effekt gleichwertig sind, sieht das Bild bei der Effizienz pro Zeiteinheit anders aus. Dieselbe Meta-Regression berechnete: Pro Trainingsstunde liefern Sprint-Intervalle einen Mitochondrienzuwachs, der etwa 3,9-mal höher ist als bei kontinuierlichem Cardio (ET); HIIT ist etwa 1,7-mal höher. Für einen Menschen mit 3 Stunden pro Woche ist das ein wesentlicher Unterschied: Man kann eine vergleichbare Anpassung in deutlich weniger Zeit erreichen.

Die Kapillarisierung der Muskeln fügt eine Nuance hinzu: Die Kapillardichte pro mm² stieg nach ET (+13 ± 3%) und HIIT (+7 ± 4%), aber nicht nach SIT. Das bedeutet: Wenn das Ziel speziell die Kapillarisierung und Sauerstoffversorgung der Muskeln ist (wichtig für Dauerbelastungen), hat kontinuierliches Cardio einen Vorteil gegenüber reinen Sprints.

Warum Zone 2 bei Leistungssportlern beliebt ist

Der narrative Review von Storoschuk, Moran-MacDonald, Gibala und Gurd (Sports Medicine, 55(7): 1611–1624, 2025) formuliert das Problem direkt: Empfehlungen zur Überlegenheit von Zone 2 basieren vorwiegend auf Beobachtungsdaten von Ausdauer-Leistungssportlern, nicht auf RCTs in der Allgemeinbevölkerung. Leistungssportler trainieren in hohem Volumen — auch niedrigintensiv — weil ihr Regime es erlaubt, hunderte Stunden pro Jahr ohne Ermüdungsakkumulation zu absolvieren. Das bedeutet nicht, dass gerade Zone 2 ihre mitochondrialen Anpassungen erzeugt.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass „die aktuellen Daten Zone 2 nicht als optimale Intensität zur Verbesserung der mitochondrialen Kapazität oder Fettoxidation unterstützen". Für ein breites Publikum mit begrenzter Zeit sei die Priorisierung höherer Intensitäten „entscheidend für die Maximierung kardiometabolischer Vorteile".

Was die endgültige Anpassung bestimmt

Laut der Meta-Regression sind die entscheidenden Prädiktoren mitochondrialer Anpassungen nicht die Intensität, sondern drei andere Faktoren. Erstens die Trainingshäufigkeit: 6 Einheiten pro Woche brachten mehr als 4, die mehr brachten als 2. Zweitens das Ausgangsfitnessniveau: Bei untrainierten und wenig trainierten Menschen ist der Zuwachs deutlich höher als bei bereits Trainierten. Drittens das gesamte Trainingsvolumen (Stunden × Intensität): Je höher es ist, desto größer die Anpassung, unabhängig davon, wie die Intensität verteilt ist.

Was das in der Praxis bedeutet
  • Training jeder Intensität steigert Mitochondrien um ~23–27%: Man muss Zone 2 nicht zwingend für den Mitochondrieneffekt bevorzugen — alles funktioniert.
  • Wenn die Zeit begrenzt ist, liefert HIIT eine vergleichbare mitochondriale Anpassung etwa 2–4-mal schneller — das ist ein praktisch relevanter Unterschied für vielbeschäftigte Menschen.
  • Für die Entwicklung der Muskelkapillarisierung und des Fettstoffwechsels behält kontinuierliches Cardio seinen Wert: Es war das, was in der Meta-Analyse die Kapillardichte pro mm² steigerte.
  • Häufigkeit ist wichtiger als die Zone: 4–6 Einheiten pro Woche, unabhängig vom Format, bringen mehr als 2 Einheiten in der „richtigen" Intensität.

Häufige Fragen

Was ist Zone 2 und wie trainiert man darin?
Zone 2 ist ein Intensitätsbereich unterhalb der ersten Laktatschwelle (LT1): eine Belastung, bei der Milchsäure langsamer gebildet als abgebaut wird. Das entspricht in der Regel ~65–75% der maximalen HF, aber dieser Richtwert variiert zwischen Menschen. Genauer lässt er sich durch Laktattests oder die Fähigkeit, beim Training frei zu sprechen, bestimmen.
Stimmt es, dass Zone 2 am besten Mitochondrien aufbaut?
Nein. Eine Meta-Regression von 353 Studien (Sports Medicine, 2025) zeigte: Kontinuierliches Cardio, HIIT und Sprints steigern Mitochondrien um 23–27% ohne statistisch signifikante Unterschiede. Ein separater Review desselben Journals (2025) stellt ausdrücklich fest, dass „die aktuellen Daten Zone 2 nicht als optimale Intensität für Mitochondrienwachstum unterstützen".
Wie viel effizienter ist HIIT im Vergleich zu Zone 2 pro Zeiteinheit?
Laut Mølmen et al. (Sports Medicine, 2025): Sprint-Intervalle sind pro Trainingszeiteinheit etwa 3,9-mal effizienter als kontinuierliches Cardio; HIIT ist etwa 1,7-mal effizienter. Das sind Daten zu Mitochondrien; bei der Kapillarisierung sieht das Bild anders aus — dort hat kontinuierliches Cardio die Nase vorn.
Sollte man überhaupt in Zone 2 trainieren?
Training mit niedriger Intensität ist wertvoll für Erholung, Entwicklung des Fettstoffwechsels und Muskelkapillarisierung. Falsch ist lediglich die Überzeugung, Zone 2 sei einzigartig optimal für Mitochondrienwachstum — die Belege dafür fehlen. Die meisten durchdachten Programme kombinieren sinnvollerweise beide Formate.

Quellen

  1. Mølmen KS, Almquist NW, Skattebo Ø. «Effects of Exercise Training on Mitochondrial and Capillary Growth in Human Skeletal Muscle: A Systematic Review and Meta-Regression». Sports Medicine, 2025. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39390310
  2. Storoschuk KL, Moran-MacDonald N, Gibala MJ, Gurd BJ. «Much Ado About Zone 2: A Narrative Review Assessing the Efficacy of Zone 2 Training for Improving Mitochondrial Capacity and Cardiorespiratory Fitness in the General Population». Sports Medicine, 2025; 55(7): 1611–1624. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40560504
Dieses Material dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine medizinische Empfehlung dar.

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